Wie Sprachkompetenzen sich wandeln
Kaum eine Stellenausschreibung in höheren und hohen Bereich verzichtet, Fremdsprachenkenntnisse als Anforderung anzugeben. Fokussiert werden vor allem Englischkenntnisse. Je internationaler Wirtschaft und Handel sich ausgedehnt haben, desto spezieller und fachlich Kommunikation betonter werden Sprachanforderungen. Englisch als transparente Kommunikationsbasis für Repräsentanten unterschiedlicher Landessprachen wird weiterhin hoch eingeschätzt. Regionale/kontinentale Sprachanforderungen wie Russisch, Chinesisch, Japanisch bis Finnisch oder der indischen Amtssprache Hindi. Weltmarktkunden in der Sprache ansprechen, in der landesüblich kommuniziert wird, ist nicht nur eine Marketingdevise. Verhandlungssichere Sprachbeherrschung in den jeweiligen Landessprachen entwickelte sich in den letzten Jahren zu dem wesentlichen Kriterium internationaler Geschäftsbeziehungen. Auf nationalen Absatzmärkten die Kundensprache zu sprechen, rückt frühere Dominanz universeller Englischkenntnisse in den Hintergrund. In Sprachen, die keine lateinisch-romanischen Wurzeln haben, erhalten Englischkenntnisse zunehmend den Charakter, kommunikative Übergangslösung zu sein. Schließlich geht es darum, komplexe Sachverhalte und Prozesse zu vermitteln und nachvollziehbar zu machen, bis zu Qualitäts-, Sicherheits- und Risikoaspekten.
Deutsche Unternehmen mit Auslandsaktivitäten sehen sich immer öfters herausgefordert, im Ausland kompetente Muttersprachler oder die Zielsprache souverän beherrschende Sprachtalente zu finden, die Produktdetails, Anwendungsprozesse oder Fachterminologie in der ausgewählten Fremdsprache kompetent kommunizieren können. Zur kommunikativen Unterstützung bei wirtschaftlichen Kontakten nach Ostasien stehen Sinologen und Japanologen nach wie vor hoch im Kurs. Die unzureichende Verfügbarkeit wirtschaftskommunikativ einsetzbarer Absolventen zeigen dennoch, dass substantielle Kenntnisse in Wirtschaftenglisch für internationalen Transport und Handel hoch eingeschätzt bleiben, aber immer öfters ergänzt oder sogar abgelöst werden sollen.
Wie hoch Anforderungen und Bedürfnisse von Unternehmen sind, auf internationalem Niveau nicht nur marketingaffin kompetent, sondern fachmännisch versiert native Kunden (native clients) anzusprechen, markiert das seit 2003 entstandene Berufsprofil des Verkaufs- oder Vertriebsingenieurs. Begriffsbildungen wie Verkaufs- oder Vertriebsingenieur inspirieren zunächst zur Annahme eines Widerspruchs im Beiwort (contradictio in adiecto). Während sich Ingenieure auf die Regelung und funktionsorientierte Kontrolle technischer Abläufe konzentrieren, betreuen Verkäufer oder Vertriebler marktaffine Produktkommunikation. Gelingt die Synthese der beiden grundverschiedenen Studienleistungen? Studiengänge mit Abschluss Verkaufs- oder Vertriebsingenieure bezwecken, Betriebswirtschaftslehre und naturwissenschaftliche disziplinorientierte Ingenieurswissenschaft zu verbinden. Der Diplomstudiengang Verkaufs-/Vertriebsingenieur vermittelt ein Studienpensum, welches curriculativ zwei Vollzeit-Studiengänge beansprucht. Ungeachtet mentaler und charakterlicher Anforderungen suchen Arbeitgeber in aktuellen Stellenbörsen vielfach nach Absolventen dieses Studienplatzmix.
Zu der zeitlich limitierten und in Gänze problematischen fachlichen Aneignung betriebswirtschaftlichen und ingenieurmäßigen Wissens addiert sich die das Arbeitnehmerprofil stärkende Aneignung von Destination spezialisierten Sprachenkenntnissen. Vertriebsingenieure sind mit guten Englischkenntnissen in erster Linie nicht global einsetzbar, sondern können mit fremdsprachlicher Präferenz (türkisch, brasilianisch-portugiesisch, russisch etc.) Unternehmen und Produkte in Wirtschaftsregionen repräsentieren.
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