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03
NOV
2011

Kluge Köpfe (Teil 3)

Klugheit in Kontexten und als Alleinstellung

Klugheit, Klugsein, kluges Handeln spaltet sich durch fehlende Unvermitteltheit ab vom bewussten Umgang mit Methoden, Wissen und Erkenntnisformen, wie sie akademisch gebildet, wissenschaftstechnisch und wirtschaftspraktisch übernommen und fortentwickelt werden. Klugheit ist nicht dadurch gekennzeichnet, wie jemand disziplin-/fachgebietsorientiert Methoden, Wissens- und Erkenntnisformen im Einzelfall anwendet, um zu verblüffenden, überzeugenden Problemlösungen zu gelangen. Klugheit statuiert keinen Erkenntnisprozess, wie Forscher, die durch Versuch und Irrtum der Problemlösungen sich annähern. Um die ultimativ mögliche Lösung für das analysierte Problem zu finden, braucht es vielleicht den klugen Kopf. Das Engagement eines, von mehreren klugen Köpfen minimiert  Fehler und Risiken nicht von vorne herein. Nur dass problemaufgeschlossene, intelligent agierende Forscher kluge Entscheidungen treffen und kluge Lösungen hervorbringen, ist die prognostisch zuverlässigere Alternative. Wie die kluge Lösung auszusehen hat, kann lediglich perspektivisch  schematisiert werden.

Wenn ein Lösungsvorschlag einmal vorgekommen, nicht zuletzt in Lexika und Enzyklopädien verzeichnet ist, ist dieser nicht als Ausdruck von Klugheit werten. Denn im Grunde ist der Lösungseinfall bekannt, nachgewiesen und damit imitierbar. Trotzdem passiert die Variante des Klugseins (des Ausdrucks von Klugheit) aufgrund von Nichtwissen. Die eine oder andere Perspektiveröffnung zur Lösungsnäherung findet in Forschungs- oder Kommunikationskontexten statt und wird gruppenspezifisch als klug identifiziert.

Als klug kann sich die übertragende Anwendung eines erprobten Erkenntnisverfahrens in einer anderen Disziplin erweisen, wobei Kompetenz und Ermessen grundlegend sind.

Klugheit kennzeichnet gegenüber Erkenntnis eine Form von kognitiver Exklusivität, welche nicht vollständig auf methodisch angewandtem Wissen basiert. Um Klugheit, nicht generell, sondern als singulären Ausdruck individuell zu motivieren, addieren sich Kreativität, Phantasie und mentale Flexibilität hinzu.  Klugheit ist lediglich individuell motiviert, weil das begabte Individuum selbst keine Klugheit schaffen und produzieren kann.

Die perspektivisch gekennzeichnete Motivation zur Klugheit stellt die Redeweise von den klugen Köpfen ins Paradoxe. Von klugen Köpfen wird eine mentale Leistung erwartet, die Intelligenz begabte Menschen niemals auf Abruf leisten können, nämlich grundsätzlich klug zu denken, intelligent zu sein und dementsprechend handeln. Mehr als weniger Begabte  verfügen als klug Identifizierte über das mentale Rüstzeug, um kontextuell, nicht systematisch, kluge Entscheidungen zu treffen oder kluge (rationale Erkenntniswege transzendierende) Problemlösungen zu finden und zu kommunizieren. Generelles Klugsein ist eine Phantasie geladene Abstraktion mit ungewissen Auswirkungen.

 

© RA

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