Interkulturelle Kommunikation
Interkulturelle Kommunikation steigert Anforderungen gegenüber national besetzten Kommunikationsszenarien. Kommunikationsteilnehmer aus sprachkulturell unterschiedlichen Sozialkontexten finden sich zu situativ vorgegebenen Verhandlungsterminen zusammen, wie Entscheidungs- und Meinungsfindung, Problemlösung, Strategieplanung oder Vertragsangelegenheiten. Stets ist das primäre Erfordernis an die sich zusammenfindende Teamkonstellation, eine gemeinsame, zielorientierte Gruppendynamik zu organisieren. Gegenüber rein nativer Kommunikation (Kommunikation in der Nationalsprache), komplizieren sich in interkultureller Kommunikation sprachliche und habituelle Dynamiken, um eine kommunikative Basis zu erlangen, auf der gruppendynamische Zielperspektiven sich entwickeln können.
Der Begriff „Kommunikation“ gilt als gelingende Kommunikation aufzufassen und zu entwerfen: mindestens zwei Kommunikationsteilnehmer beginnen eine kommunikative Handlung, um aus dem sprachlichen Miteinander einen Nutzen zu ziehen (das thematisch vorgegebene Ziel zu erreichen, zum Gelingen kommunikativer Zielvereinbarungen beizutragen). Kommunikation ist, rhetorisch gesehen, eine Ellipse: das Beiwort „gelingende“ bleibt latent vorhanden und ist komplikationslos mitzudenken. Das gilt auch für interkulturelle Kommunikation, die verspricht, eine gelingende zu sein. Das Risiko, kommunikativ zu misslingen oder zu scheitern, ist jeder Kommunikation immanent, obwohl sie gerade als gelingendes eigenes Risiko nivelliert.
Interkulturelle Kommunikation legt alternativ den Akzent auf kulturell. Kulturelle Unterschiede, die durch das Zusammenkommen verschiedener Nationalitäten markiert sind, verkomplizieren die Gelingensperspektive interkultureller Kommunikation auf sprachlich-habituellem Niveau. Die globale Angleichung intellektuellen Wissens und internationaler Manifestierung von Fachterminologien werten interkulturelle Kommunikationsszenarien nicht zuletzt für sich als Vorteil.
In interkultureller Kommunikation treffen nicht nur unterschiedliche Denkweisen aufeinander, wobei sich informelles Wissen durch die Internationalisierung akademischen Wissens mehr und mehr angleicht (z.B. weltweit an Hochschulen ausgebildete Ingenieure erhalten gleiche Hard Skills, technische Prozesse zu analysieren und aufzufassen). Gemeinsame Wissens-und Bildungsgrundlagen vereinfachen (konventionalisieren) interkulturelle Kommunikation. Über kulturelle Unterschiede hinaus wird gelingende Kommunikation wahrscheinlicher.
Gelingende Kommunikation ist keinesfalls als präskriptive Konsensvereinbarung misszuverstehen. Verbale Unstimmigkeit, Kritik oder Dissens gehören genauso zum Konventionsrahmen interkultureller Kommunikation. Zum Gelingen von Kommunikation ist der formelle Ablauf, die teambasierte Interaktion miteinander, entscheidend - nicht die Dominanz des rhetorisch Durchsetzungsfähigeren (bzw. der Gruppe).
© RA

