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27
SEP
2011

Fremdsprachenkenntnisse im Sprachwandel

Zertifizierte Fremdsprachenkenntnisse galten lange als wünschenswert, waren aber nicht notwendiges Kriterium bei Arbeitsplatzvergaben. Arbeitgeber schätzten und schätzen Fremdsprachenkenntnisse in der Bewerberauswahl eher aufgabenbezogen ein und stellen sie in Relation zu kommunikativen Anforderungen konkreter Stellenprofile. Die Nennung von Fremdsprachenkenntnissen, wie sich aus Werdegang, Schulabschluss oder Studienwahl ergibt, genügt heute häufig als informeller Nachweis, in nicht nativer Sprache kommunikative Handlungen auf dem Niveau arbeitspraktischer Anforderungen vollziehen zu können. Wer ein oder mehrere Auslandssemester im Curriculum vitae  oder die ein oder andere Auslandserfahrung nachweist, bringt praktisch erfahrene, eventuell ausbaufähige Fremdsprachenkenntnisse in zumindest zwei Landessprachen in Beruf und Aufgabenstellung ein.

Arbeitsorientierte Anforderungen an Fremdsprachenkenntnissen unterliegen im Zuge  sprachlerndidaktischer Beschleunigung einem Sprachwandel, der zur Verbreitung und Steigerung von Anforderungen an fremdsprachige Kenntnisse in Studium und Beruf führt. Nicht nur die unterschiedlichen Niveaus, in denen eine Fremdsprache gesprochen, also Grammatik, Kommunikation und Interaktion beherrschbar ist, wird analytisch erfasst und in konstruktiven niveauorientierten Sprachlehrgängen didaktisch reproduzierbar. Auch ist erfasst und explizit erlern- und trainierbar, welche Fremdsprachenkenntnisse auf den unterschiedlichen Niveaus, bei Übersetzern, Dolmetschern, Auslandsdisponenten, Korrespondenten, Managern etc., vorausgesetzt werden, um ihn oder sie für einen bestimmten stellenpraktischen Aufgabenkomplex in der dokumentierten Fremdsprache zu qualifizieren.

Wer als Nicht-Muttersprachler eine Fremdsprache beherrscht, hat gute Aussichten aus der Fremdsprache sich entwickelnde Fachsprachen zu erlernen: Wirtschaft affine Berufe benötigen anwendungskompetente Kenntnisse der Wirtschaftssprache des jeweiligen Landes, technische Dokumenteure benötigen Verständnis und Kenntnis der technikbezogene Fachterminologie in der Fremdsprache, Dolmetscher müssen kompetent sein, selbst schwierigste Sachverhalte auf aktuellem Sprachniveau zu nachzuvollziehen, zu übersetzen und zu verständlichen.

Bei steigenden Anforderungen des Fremdsprachenlernens, welches umso mehr linguale Auszeichnung und Professionalität im Blickpunkt haben muss, gerät der Reiz des Kennenlernens von Fremdem in den Hintergrund. Es wäre eine Illusion anzunehmen, dass keine der globalen Verkehrssprachen, verursacht durch Internationalisierung von Kommunikation und Warenverkehre massive Wandlungen unterliegt: Wörter geraten in Vergessenheit, Redewendungen gelten als antiquiert oder grammatikalische Formen sind nicht länger opportun. Sprachlich Outgesourctes wird ebenso rapide erneuert und ersetzt durch nicht wenige Sprachversatzstücke, welche Kommerzialisierung und Digitalisierung vorgeben – verbale Halbwertszeit – unbekannt!

Obwohl didaktisches Antrainieren von Fremdsprachen hoch in Kurs steht, problematisieren die regierungsbeauftragten Verwalter von Nationalsprachen den grassierenden Sprachwandel. Nationalsprachen wächst in einer global sich aufsperrenden Welt nicht nur eine, sondern ein Bündel neuer Rollen zu, wobei nicht zuletzt das Sprachlernen und das Sprachverstehen dynamischen Änderungen ausgesetzt sind.

 

© RA

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