EU-weite Sprachzertifizierung
Die Zertifizierung von Sprachkenntnissen ist Aufgabe landessprachlicher Institutionen, wie das Goethe-Institut für die deutsche Sprache und das ‚Certificate in Advanced English‘ (CAE) der University of Cambridge, das den Grad der Sprachbeherrschung nativer Sprecher der Hochsprache Englisch misst. Nicht-Muttersprachler können das Niveau ihrer Englischkenntnisse durch den TOEFL-Test (Test of English as a foreign language™) prüfen und international anerkennen lassen. Der Französischtest des Bildungsministeriums (TFC) wendet sich an Nicht-Muttersprachler des Französischen. Die französischsprachliche Testsuite basiert auf dem auslaufenden Sprachentestmodell, das in den neunziger Jahren von der Organisation „ALTE“ (The Association of Language Tester in Europe) erstellt wurde. Seit 2002 wendet das TFC den europäischen Referenzrahmen für Test und Bewertung von Fremdsprachenkenntnissen an. In der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts löst die EU-weite Bewertung von Fremdsprachenkenntnissen nach kategorialen Vorgaben des europäischen Referenzrahmens ältere Verfahren der Sprachtestung ab.
Eloquente Fremdsprachenkenntnisse, ob in Französisch, Russisch oder Chinesisch, sind in global vernetzter Businesswelt zur konsequenten Anforderung geworden. Verschränkungen nationaler Märkte und deren Öffnung hin zum Weltmarkt tendieren zur Ablösung des Englischen (Amerikanisch-Englischen) als globaler Verkehrssprache. Neue Methoden und Techniken der Fremdsprachendidaktik unterstützen effizientes Fremdsprachentraining, ob in Studium, Job oder Freizeit. Arbeitsmärkte profitieren vom Trend zur nationalen Sprachbeherrschung. Dass ubiquitär wahrzunehmender Sprachwandel auch negative Folgen zeitigt, thematisiert der Artikel „Fremdsprachenkenntnisse im Sprachwandel.“
Konsequent führt das bereit stehende Sprachlernwissen zur Niveausteigerung in den gesprochenen Fremdsprachen. International agierende Unternehmen ziehen ihren Nutzen daraus, dass sie Personal beschäftigen, das neben der Landesprache eine zweite oder weitere Landessprache, wenn auch zu unterschiedlichen Graden, beherrscht (Bilinguale Sprachbeherrschung, Sprachmigration).
Landessprachliche Zertifikate galten lange als die Richtschnur zur Definition von Sprachniveaus, werden aber in beurteilender Funktion vom gemeinsamen europäische Referenzrahmen für Sprachen: lernen, lehren, beurteilen, abgelöst.
Der europäische Referenzrahmen für Fremdsprachen ist 1996 vom Europarat beschlossen worden und konzentriert auf die Regelung des Fremdsprachenlernens innerhalb des europäischen Staatenverbunds. Sechs Referenzniveaus von C2 bis A1 geben Anforderungsgrade vor, nach denen europäische Sprachen gelernt werden. Von elementarer (A1 und A2) bis kompetenter Fremdsprachbeherrschung (C2 und C1) gliedert der europäische Referenzrahmen sechs Sprachlernetappen, welche konsequent realisiert das höchste Referenzniveau erzielen: das Sprechen und Verstehen komplizierter Sachverhalte in der jeweiligen Fremdsprache.
Die institutionelle Regelung zur Identifikation von Fremdsprachenkompetenz in sechs Etappen fand beim Personalrecruiting wenig bis gar keine Beachtung – vermutlich wegen der formellen Konzeption des Bildungsauftrags. Die vorgegebene Skala von sechs Referenzniveaus sei akademisch zu kompliziert aufbereitet, um Einlass in die Recruitingpraxis zu finden, wurde dem europäischen Referenzrahmen oftmals vorgehalten. Der Referenzrahmen wird vermehrt als aussagefähige Bezugsposition für die Sprachbeurteilung bei Stellenbewerbern akzeptiert und angewendet.
Der europäische Referenzrahmen hat nicht als primäres Ziel, Beurteilungsinstrument für die sprachliche Kompetenz einzelner in berufsbildenden Szenarien zu sein, sondern seit Einführung wurde eine explizit politische Zielsetzung verfolgt: die Ausweitung europäischer Landessprachen durch Etablierung eines rationalen Lernsystems, welches jedem EU-Bürger Orientierung gibt, den Status seiner Sprachkompetenz in Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Griechisch oder anderen EU-Sprachen einzuschätzen und eventuell aufbauende Lernszenarien einzuleiten, die zum höheren Grad der trainierten Landessprache führen.
Weblinks:
Europass: Gemeinsamer europäischer Referenzrahmen für Sprachen: Raster zur Selbstbeurteilung: http://europass.cedefop.europa.eu/LanguageSelfAssessmentGrid/de
Certificate in Advanced English - CAE): http://cambridge-english-advanced.cambridgeesol.org/
TCF - Test de connaissance du français: http://www.ciep.fr/de/tcf/index.php
Der TOEFL®-Test TEST OF ENGLISH AS A FOREIGN LANGUAGE™: http://www.de.toefl.eu/
ALTE – The Association of Language Testers in Europe: http://www.alte.org/
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